Das Wichtigste in Kürze

  • Hörgeräte bei Tinnitus können helfen, Ohrgeräusche weniger stark wahrzunehmen, besonders wenn gleichzeitig eine Schwerhörigkeit besteht.
  • Durch die Verstärkung von Umgebungsgeräuschen kann der Tinnitus stärker in den Hintergrund treten und das Hören im Alltag angenehmer werden.
  • Moderne Hörgeräte bieten teilweise spezielle Tinnitusfunktionen, beispielsweise einen integrierten Rauschgenerator, dessen zusätzlicher Nutzen jedoch nicht eindeutig nachgewiesen ist.
  • Eine individuelle Höranalyse und fachgerechte Hörgeräteanpassung sind entscheidend, um eine geeignete Versorgung zu finden.
  • Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für medizinisch notwendige Hörgeräte im Rahmen der geltenden Regelungen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.

Hörgeräte bei Tinnitus

Ein dauerhaftes Pfeifen, Summen oder Rauschen im Ohr kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Besonders in ruhigen Momenten werden die Ohrgeräusche oft als störend empfunden. Sie können die Konzentration erschweren, den Schlaf beeinträchtigen und zu einer dauerhaften Belastung werden. Viele Betroffene fragen sich deshalb, ob Hörgeräte bei Tinnitus helfen können.

Tatsächlich können moderne Hörgeräte dazu beitragen, die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen zu reduzieren. Besonders dann, wenn neben dem Tinnitus auch eine Schwerhörigkeit besteht, kann eine individuell angepasste Hörgeräteversorgung sinnvoll sein. Durch die Verstärkung von Umgebungsgeräuschen rückt der Tinnitus bei manchen Menschen stärker in den Hintergrund.

Doch wie funktioniert das genau? Welche Hörgeräte eignen sich bei Tinnitus und was können Betroffene von der Versorgung erwarten?

Was ist Tinnitus und wie entsteht er?

Tinnitus durch Stress

Als Tinnitus bezeichnet man die Wahrnehmung von Geräuschen, für die keine entsprechende äußere Schallquelle vorhanden ist. Betroffene hören beispielsweise ein Pfeifen, Klingeln, Brummen, Summen oder Rauschen. Diese Geräusche können auf einem Ohr, auf beiden Ohren oder scheinbar im Kopf auftreten.

Die Lautstärke und Art der Ohrgeräusche unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Während einige Menschen ihren Tinnitus kaum beachten, empfinden andere ihn als starke Belastung.

Ein Tinnitus kann verschiedene Ursachen haben. Häufig tritt er im Zusammenhang mit einer Schädigung des Gehörs auf, beispielsweise durch anhaltende Lärmbelastung oder altersbedingte Veränderungen. Auch Erkrankungen des Ohres können eine Rolle spielen. Nicht immer lässt sich jedoch eine eindeutige Ursache feststellen.

Halten die Ohrgeräusche länger als drei Monate an, spricht man von einem chronischen Tinnitus. In diesem Fall steht häufig nicht mehr die vollständige Beseitigung der Geräusche im Mittelpunkt. Vielmehr geht es darum, die Belastung zu reduzieren und einen besseren Umgang mit dem Tinnitus zu ermöglichen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dieser kann mögliche Ursachen abklären und beurteilen, welche Behandlung sinnvoll ist.

Wie hängen Tinnitus und Schwerhörigkeit zusammen?

Tinnitus und Schwerhörigkeit treten häufig gemeinsam auf. Das liegt unter anderem daran, dass Veränderungen im Hörsystem sowohl die Wahrnehmung äußerer Geräusche als auch die Verarbeitung von Höreindrücken beeinflussen können.

Bei einer Schwerhörigkeit gelangen bestimmte Töne und Umgebungsgeräusche nicht mehr ausreichend zum Gehirn. Dadurch fehlen natürliche akustische Informationen, die normalerweise einen großen Teil unserer Aufmerksamkeit beanspruchen.

Das Gehirn verarbeitet die verbleibenden Höreindrücke weiterhin. Bei manchen Menschen können Veränderungen dieser Verarbeitung mit der Entstehung oder verstärkten Wahrnehmung eines Tinnitus zusammenhängen.

Ein typisches Beispiel ist die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen in einer ruhigen Umgebung. Wenn kaum äußere Geräusche vorhanden sind, fällt ein vorhandener Tinnitus oft besonders stark auf. In einer lebhaften Umgebung mit Gesprächen und Alltagsgeräuschen wird er dagegen möglicherweise weniger bewusst wahrgenommen.

Hier setzt die Versorgung mit Hörgeräten an. Indem Hörsysteme die eingeschränkte Hörfähigkeit ausgleichen, können sie auch die akustische Wahrnehmung im Alltag verändern.

Wichtig ist jedoch: Nicht jeder Mensch mit Tinnitus ist schwerhörig. Ob Hörgeräte geeignet sind, hängt deshalb wesentlich vom individuellen Hörvermögen ab.

Können Hörgeräte bei Tinnitus helfen?

Ja, Hörgeräte können bei Tinnitus helfen, insbesondere wenn gleichzeitig eine Schwerhörigkeit vorliegt. Sie verbessern in erster Linie das Hörvermögen. Zusätzlich kann die bessere Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen dazu führen, dass Ohrgeräusche weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Ein Hörgerät verstärkt beispielsweise Gespräche, Naturgeräusche und andere akustische Signale, die aufgrund einer Hörminderung zuvor nur eingeschränkt wahrgenommen wurden. Dadurch kann sich das Verhältnis zwischen dem Tinnitus und den Geräuschen der Umgebung verändern.

Viele Betroffene empfinden das Ohrgeräusch während des Tragens ihrer Hörgeräte deshalb als weniger störend. Andere berichten vor allem davon, dass sie Gesprächen leichter folgen können und sich beim Hören weniger anstrengen müssen.

Eine Verbesserung ist allerdings nicht garantiert. Wie stark der Tinnitus wahrgenommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören das Hörvermögen, die individuelle Tinnitusbelastung und die persönliche Verarbeitung der Geräusche.

Hörgeräte beseitigen einen Tinnitus somit nicht zwangsläufig. Sie können aber ein wichtiger Bestandteil der Versorgung sein, wenn ein behandlungsbedürftiger Hörverlust besteht.

Wie funktionieren Hörgeräte bei Tinnitus?

Hörgeräte mittlere Preisklasse

Moderne Hörgeräte nehmen Geräusche über kleine Mikrofone auf. Anschließend werden die akustischen Signale digital verarbeitet und entsprechend dem individuellen Hörverlust verstärkt.

Die Geräte können dabei unterschiedliche Tonhöhen gezielt anpassen. Das ist wichtig, weil eine Schwerhörigkeit häufig nicht alle Frequenzbereiche gleichermaßen betrifft.

Bei Menschen mit Tinnitus können Hörgeräte auf unterschiedliche Weise unterstützen.

Bessere Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen

Wenn eine Schwerhörigkeit besteht, werden viele alltägliche Geräusche nur abgeschwächt wahrgenommen. Hörgeräte können diese Klänge wieder besser zugänglich machen.

Das betrifft beispielsweise Vogelstimmen, leise Gespräche oder das Rascheln von Blättern. Solche natürlichen Geräusche können dazu beitragen, dass ein vorhandener Tinnitus weniger deutlich hervortritt.

Weniger Aufmerksamkeit für den Tinnitus

Bei einem Tinnitus spielt nicht nur das eigentliche Ohrgeräusch eine Rolle. Entscheidend ist auch, wie stark sich die Aufmerksamkeit darauf richtet.

Wenn das Gehirn wieder mehr akustische Informationen aus der Umgebung erhält, kann es leichter fallen, die Aufmerksamkeit auf andere Höreindrücke zu lenken.

Das bedeutet nicht, dass das Hörgerät den Tinnitus ausschaltet. Vielmehr kann es dazu beitragen, dass dieser im Alltag weniger im Vordergrund steht.

Entlastung beim Hören und Verstehen

Eine unbehandelte Schwerhörigkeit kann Gespräche anstrengend machen. Betroffene müssen sich stärker konzentrieren, häufiger nachfragen und fehlende Informationen aus dem Zusammenhang erschließen.

Gut angepasste Hörgeräte können diese Höranstrengung reduzieren. Gerade bei Menschen, die zusätzlich unter Tinnitus leiden, kann das eine spürbare Erleichterung im Alltag sein.

Welche Hörgeräte eignen sich bei Tinnitus?

Grundsätzlich kommen verschiedene Hörgerätetypen infrage. Die Auswahl hängt vor allem vom individuellen Hörverlust, der Anatomie des Ohres und den persönlichen Anforderungen ab.

Es gibt keine einzelne Hörgerätebauform, die grundsätzlich für jeden Menschen mit Tinnitus am besten geeignet ist.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte

Hinter-dem-Ohr-Geräte werden hinter der Ohrmuschel getragen. Je nach Bauform gelangt der verstärkte Schall über einen dünnen Schlauch oder einen Lautsprecher im Gehörgang ins Ohr.

Diese Hörsysteme sind in unterschiedlichen Leistungsstufen erhältlich und eignen sich für viele Formen der Schwerhörigkeit.

Im-Ohr-Hörgeräte

Im-Ohr-Hörgeräte sitzen vollständig oder überwiegend im Gehörgang beziehungsweise in der Ohrmuschel.

Sie können eine gute Alternative sein, wenn eine möglichst unauffällige Hörgeräteversorgung gewünscht wird. Allerdings eignet sich nicht jede Bauform für jeden Hörverlust.

Auch die Belüftung des Gehörgangs und der individuelle Tragekomfort spielen eine wichtige Rolle.

Hörgeräte mit zusätzlichen Tinnitusfunktionen

Einige moderne Hörsysteme verfügen über besondere Programme, die speziell für Menschen mit Tinnitus entwickelt wurden.

Dazu gehören beispielsweise Funktionen, mit denen zusätzliche Hintergrundgeräusche abgespielt werden können. Solche Geräte werden auch als Tinnitus-Kombigeräte bezeichnet.

Ob eine entsprechende Funktion sinnvoll ist, sollte individuell geprüft werden. Entscheidend ist nicht die Anzahl der verfügbaren Programme, sondern ob das Hörsystem die persönlichen Bedürfnisse erfüllt.

Was ist ein Tinnitus-Noiser?

Ein Tinnitus-Noiser ist ein Gerät oder eine Funktion, die ein zusätzliches Geräusch erzeugt. Dabei kann es sich beispielsweise um ein gleichmäßiges Rauschen handeln.

Die Idee dahinter ist, eine akustische Umgebung zu schaffen, in der das Ohrgeräusch weniger auffällt. Das zusätzliche Geräusch soll möglichst angenehm sein und nicht selbst zur Belastung werden.

Manche Hörgeräte kombinieren eine normale Hörgerätefunktion mit einem solchen Geräuschgenerator. Dadurch können sowohl der Hörverlust ausgeglichen als auch zusätzliche Klänge angeboten werden.

Allerdings ist der wissenschaftliche Nachweis für einen zusätzlichen Nutzen dieser Rauschfunktionen begrenzt. Insbesondere ist nicht eindeutig belegt, dass Hörgeräte mit integriertem Noiser den Tinnitus besser lindern als passend eingestellte Hörgeräte ohne eine solche Funktion.

Deshalb sollte die Auswahl nicht allein von einem besonderen Tinnitusprogramm abhängig gemacht werden. Bei gleichzeitig bestehender Schwerhörigkeit steht zunächst eine gute Hörgeräteanpassung im Vordergrund.

Wie läuft die Hörgeräteanpassung bei Tinnitus ab?

Damit Hörgeräte bei Tinnitus und Schwerhörigkeit möglichst gut unterstützen können, ist eine individuelle Anpassung wichtig.

Beim Hörstudio Rhein Main legen wir Wert darauf, nicht nur die technischen Eigenschaften eines Hörsystems zu berücksichtigen, sondern auch Ihre persönlichen Hörbedürfnisse.

1. Beratung und Höranalyse

Am Anfang steht ein Gespräch über Ihre Hörsituation. Dabei geht es beispielsweise darum, wann Sie Schwierigkeiten beim Hören haben und in welchen Situationen Sie den Tinnitus besonders deutlich wahrnehmen.

Ein Hörtest liefert anschließend wichtige Informationen über Ihr Hörvermögen. Dabei wird unter anderem untersucht, welche Tonhöhen Sie gut hören und in welchen Bereichen Einschränkungen bestehen.

Die medizinische Abklärung des Tinnitus erfolgt durch einen HNO-Arzt.

2. Auswahl geeigneter Hörsysteme

Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse können passende Hörgeräte ausgewählt werden.

Dabei spielen neben dem Hörverlust auch Ihre alltäglichen Hörsituationen, Ihre Wünsche an den Tragekomfort und Ihre technischen Anforderungen eine Rolle.

Nicht jedes Hörgerät benötigt spezielle Tinnitusfunktionen. Häufig ist zunächst entscheidend, dass Sprache und Umgebungsgeräusche möglichst natürlich und angenehm wahrgenommen werden.

3. Individuelle Einstellung

Bei der Anpassung werden die Hörgeräte auf Ihr persönliches Hörvermögen eingestellt.

Die Verstärkung verschiedener Frequenzen wird so abgestimmt, dass wichtige Geräusche besser hörbar werden, ohne unnötig laut zu wirken.

Gerade bei gleichzeitigem Tinnitus ist es wichtig, auf eine angenehme Klangwahrnehmung zu achten. Empfinden Sie bestimmte Geräusche als unangenehm, können die Einstellungen überprüft werden.

4. Gewöhnung und Nachbetreuung

Wer längere Zeit schlechter gehört hat, muss sich häufig erst wieder an die größere Vielfalt von Geräuschen gewöhnen.

Das betrifft auch Menschen mit Tinnitus. Neue Höreindrücke können zunächst ungewohnt sein, selbst wenn sie langfristig als angenehm empfunden werden.

Deshalb ist es sinnvoll, die Hörgeräte regelmäßig im Alltag zu tragen und Erfahrungen mit unterschiedlichen Hörsituationen zu sammeln.

Bei Bedarf lassen sich die Einstellungen im Rahmen der Nachbetreuung weiter optimieren.

FAQ

Hörgeräte können einen Tinnitus in der Regel nicht gezielt heilen. Wenn gleichzeitig eine Schwerhörigkeit besteht, können sie jedoch die Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen verbessern. Dadurch kann das Ohrgeräusch weniger störend erscheinen. Ob und wie stark dieser Effekt eintritt, ist individuell unterschiedlich.
Das hängt vor allem vom vorhandenen Hörverlust und den persönlichen Anforderungen ab. Sowohl Hinter-dem-Ohr-Geräte als auch Im-Ohr-Geräte können geeignet sein. Manche Hörsysteme bieten zusätzliche Tinnitusprogramme. Entscheidend ist jedoch, dass das Hörgerät optimal auf das individuelle Hörvermögen eingestellt wird.
Ein passend ausgewähltes und fachgerecht eingestelltes Hörgerät sollte keine unangenehme Lautstärkebelastung verursachen. Manche Betroffene empfinden bestimmte Klänge während der Eingewöhnung zunächst als ungewohnt. Wenn der Tinnitus während des Tragens störender wird oder Geräusche unangenehm laut erscheinen, sollten Sie die Einstellungen überprüfen lassen. Bei neuen oder deutlich zunehmenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Ein zusätzlicher Geräuschgenerator kann von einzelnen Menschen als angenehm empfunden werden. Ein eindeutiger zusätzlicher Nutzen gegenüber normalen Hörgeräten ist wissenschaftlich jedoch nicht gesichert. Deshalb sind spezielle Tinnitusfunktionen nicht grundsätzlich notwendig.
Bei einer bestehenden Schwerhörigkeit ist eine regelmäßige Nutzung im wachen Alltag grundsätzlich sinnvoll, damit Sie von der verbesserten Hörwahrnehmung profitieren können. Wie lange Sie Ihre Hörgeräte tragen sollten, hängt von Ihrer individuellen Situation und der Eingewöhnung ab. Zum Schlafen werden normale Hörgeräte üblicherweise herausgenommen.
Das ist möglich. Auch eine leichte Hörminderung kann bestimmte Höreindrücke beeinträchtigen. Ob eine Hörgeräteversorgung sinnvoll ist, sollte anhand eines Hörtests und Ihrer tatsächlichen Hörschwierigkeiten beurteilt werden. Ein Nutzen für den Tinnitus lässt sich dabei nicht garantieren.
Manche Betroffene erleben unmittelbar nach dem Einsetzen der Hörgeräte eine veränderte Wahrnehmung ihrer Ohrgeräusche. Bei anderen entwickelt sich ein möglicher Nutzen erst während der Eingewöhnung über mehrere Wochen. Es gibt jedoch keinen festen Zeitraum, nach dem sich eine Verbesserung einstellen muss.
Neu aufgetretene oder anhaltende Ohrgeräusche sollten ärztlich abgeklärt werden. Besonders wichtig ist eine schnelle Untersuchung, wenn gleichzeitig ein plötzlicher Hörverlust auftritt. Bei zusätzlichen neurologischen Beschwerden oder starkem akutem Schwindel kann eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich sein. Auch ein pulssynchroner oder ausschließlich einseitiger Tinnitus sollte ärztlich untersucht werden.
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