Das Wichtigste zusammengefasst
- Eine Schallleitungsschwerhörigkeit entsteht, wenn die Weiterleitung von Schall im Außen- oder Mittelohr beeinträchtigt ist, wodurch Geräusche und Sprache vor allem leiser wahrgenommen werden.
- Zu den häufigsten Ursachen zählen Ohrenschmalzpfropfen, Mittelohrentzündungen, Paukenergüsse, Trommelfellverletzungen und Otosklerose.
- Typisch ist, dass Betroffene Sprache bei ausreichender Lautstärke oft noch vergleichsweise gut verstehen, da das Innenohr meist nicht betroffen ist.
- Viele Ursachen können medizinisch behandelt werden, bei einer verbleibenden Hörminderung stehen jedoch wirksame Hörlösungen zur Verfügung.
- Moderne Hörgeräte, Knochenleitungssysteme und implantierbare Versorgungen ermöglichen häufig eine deutliche Verbesserung des Hörvermögens und der Lebensqualität.
Definition der Schallleitungsschwerhörigkeit
Eine Schallleitungsschwerhörigkeit liegt vor, wenn Schall im Außenohr oder Mittelohr nicht mehr ausreichend zum Innenohr weitergeleitet wird. Dadurch werden Geräusche und Stimmen vor allem leiser wahrgenommen.
Viele Betroffene berichten, dass Sprache zwar gedämpft klingt, aber häufig nicht verzerrt ist. Im Unterschied zu vielen Formen der Innenohrschwerhörigkeit bleibt das Sprachverstehen bei einer ausreichend hohen Lautstärke oft vergleichsweise gut erhalten.
Für die Diagnose einer Schallleitungsschwerhörigkeit wird unter anderem ein Tonaudiogramm durchgeführt. Dabei zeigen sich typischerweise erhöhte Luftleitungsschwellen, während die Knochenleitungsschwellen normal oder nahezu normal bleiben. Außerdem ist häufig eine sogenannte Luft-Knochen-Lücke erkennbar. Damit wird der Unterschied zwischen der Schallwahrnehmung über den normalen Hörweg und der Wahrnehmung über die Knochenleitung beschrieben.
Die Größe dieser Luft-Knochen-Lücke liefert wichtige Hinweise auf das Ausmaß der Schallleitungsstörung und unterstützt Fachleute bei der weiteren Beurteilung des Hörvermögens.
Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit
Eine Schallleitungsschwerhörigkeit entsteht, wenn der Schall auf seinem Weg durch das Außen- oder Mittelohr behindert wird. Die Ursachen können vorübergehend oder dauerhaft sein.
Eine genaue Untersuchung hilft dabei, die Auslöser zu erkennen und die passende Behandlung einzuleiten.
Ohrenschmalzpfropf als häufige Ursache
Ein Ohrenschmalzpfropf kann den Gehörgang teilweise oder vollständig verschließen. Dadurch gelangen Schallwellen nur noch eingeschränkt zum Trommelfell. Die Folge ist häufig ein plötzliches Gefühl von vermindertem Hören auf einem oder beiden Ohren.
Fremdkörper im Gehörgang
Auch Fremdkörper im Gehörgang können die Schallweiterleitung beeinträchtigen. Besonders bei Kindern kommt es vor, dass kleine Gegenstände versehentlich in das Ohr gelangen und dort die Hörfähigkeit einschränken.
Entzündungen des äußeren Ohres
Entzündungen im Bereich des äußeren Ohres können Schwellungen und Verengungen des Gehörgangs verursachen. Dadurch wird die Weiterleitung von Schall erschwert, was zu einer vorübergehenden Schallleitungsschwerhörigkeit führen kann.
Mittelohrentzündung
Eine Mittelohrentzündung kann die normale Funktion des Mittelohrs beeinträchtigen. Entzündliche Veränderungen und Flüssigkeitsansammlungen behindern die Schallübertragung und führen häufig zu einer vorübergehenden Hörminderung.
Paukenerguss
Bei einem Paukenerguss sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr an. Diese Flüssigkeit erschwert die Beweglichkeit von Trommelfell und Gehörknöchelchen, wodurch Schall nicht mehr optimal weitergeleitet werden kann.
Trommelfellverletzungen
Verletzungen oder Defekte des Trommelfells können die Schallübertragung deutlich beeinträchtigen. Da das Trommelfell eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Schall spielt, kann eine Beschädigung zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führen.
Fehlbildungen des Ohres
Angeborene Fehlbildungen des Außen- oder Mittelohrs können die Schallleitung von Geburt an beeinträchtigen. Je nach Ausprägung kann die Hörminderung unterschiedlich stark ausfallen.
Otosklerose
Bei der Otosklerose kommt es zu Veränderungen im Bereich der Gehörknöchelchen. Dadurch wird deren Beweglichkeit eingeschränkt, was die Übertragung von Schall auf das Innenohr erschwert und eine Schallleitungsschwerhörigkeit verursachen kann.
Verletzungen und Unfälle
Unfälle oder Verletzungen im Bereich des Ohres können Strukturen beschädigen, die für die Schallweiterleitung wichtig sind. Je nach Art und Schwere der Verletzung kann die Hörminderung vorübergehend oder dauerhaft bestehen.
Tumore oder andere seltene Ursachen
In seltenen Fällen können Tumore oder andere Erkrankungen im Bereich des Außen- oder Mittelohrs die Schallleitung beeinträchtigen. Auch solche Ursachen sollten bei anhaltenden Hörproblemen fachärztlich abgeklärt werden.
Symptome einer Schallleitungsschwerhörigkeit
Die Beschwerden bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit können je nach Ursache und Ausmaß der Hörminderung unterschiedlich ausgeprägt sein. Viele Betroffene bemerken zunächst, dass Geräusche und Stimmen insgesamt leiser wahrgenommen werden.
Zu den typischen Symptomen gehören:
- Vermindertes Hörvermögen
- Gedämpfte Wahrnehmung von Geräuschen und Stimmen
- Schwierigkeiten beim Verstehen leiser Sprache
- Druckgefühl im Ohr
- Verstärkte Wahrnehmung der eigenen Stimme
- Gelegentlich auftretende Ohrgeräusche
Ein häufig beschriebenes Merkmal ist, dass Sprache trotz der Hörminderung bei ausreichender Lautstärke oft noch relativ klar verstanden werden kann. Betroffene hören also in erster Linie leiser, ohne dass Klänge stark verzerrt wirken.
Dieses Merkmal unterscheidet die Schallleitungsschwerhörigkeit häufig von einer Innenohrschwerhörigkeit. Während dort das Sprachverstehen oftmals eingeschränkt ist, bleibt es bei einer Störung der Schallleitung häufig vergleichsweise gut erhalten, sofern die Lautstärke ausreichend ist.
Hörsystemversorgung bei Schallleitungsschwerhörigkeit

Nicht jede Schallleitungsschwerhörigkeit lässt sich vollständig medizinisch behandeln. In diesen Fällen kann eine individuell angepasste Hörsystemversorgung dabei helfen, das Hörvermögen deutlich zu verbessern und die Kommunikation im Alltag zu erleichtern.
Besonderheiten der Anpassung
Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit ist das Innenohr häufig intakt. Dadurch bestehen oft günstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Hörgeräteversorgung.
Typische Merkmale sind:
- Gute Sprachverständlichkeit
- Große Dynamikbereiche bei der Hörwahrnehmung
- Gute Prognosen für die Hörgeräteversorgung
In vielen Fällen genügt bereits eine vergleichsweise lineare Verstärkung, um die eingeschränkte Schallweiterleitung auszugleichen. Eine sorgfältige Anpassung ist dennoch wichtig, um ein möglichst natürliches Hörerlebnis zu erzielen.
Luftleitungshörgeräte
Bei leichten bis mittleren Formen der Schallleitungsschwerhörigkeit können klassische Hörgeräte sehr gute Ergebnisse erreichen. Sie verstärken die eintreffenden Schallsignale und unterstützen so die Weiterleitung zum Innenohr.
Vorteile von Luftleitungshörgeräten:
- Gute Sprachverständlichkeit
- Hohe Zufriedenheit bei vielen Hörgeräteträgern
- Einfache und bewährte Anpassung
Wir im Hörstudio Rhein Main beraten Sie gerne dazu, welche Hörlösung für Ihre persönliche Hörsituation geeignet ist.
Knochenleitungshörsysteme
Wenn der Gehörgang oder das Mittelohr nicht genutzt werden können, kommen Knochenleitungshörsysteme infrage. Diese Systeme übertragen Schall nicht über den üblichen Hörweg, sondern direkt über den Schädelknochen an die Cochlea, das Hörorgan im Innenohr.
Mögliche Anwendungsbereiche sind:
- Gehörgangsatresie
- Chronische Otorrhoe
- Fehlbildungen des Ohres
- Nicht versorgbare Erkrankungen des Mittelohres
- Implantierbare Knochenleitungssysteme
Moderne implantierbare Knochenleitungssysteme ermöglichen eine langfristige Versorgung bei ausgeprägten Schallleitungsstörungen. Sie umgehen den gesamten Schallleitungsapparat und übertragen Schall über Knochenvibrationen direkt an das Innenohr.
Dadurch können sie eine wirksame Alternative darstellen, wenn herkömmliche Hörsysteme nicht eingesetzt werden können oder keine ausreichenden Ergebnisse erzielen.
Aktive Mittelohrimplantate
In ausgewählten Fällen können aktive Mittelohrimplantate eine geeignete Lösung sein. Diese Systeme versetzen Strukturen des Mittelohres direkt in Schwingung und unterstützen dadurch die Schallübertragung.
Auf diese Weise kann eine effektive Hörrehabilitation erreicht werden, wenn andere Versorgungsformen nicht infrage kommen oder besondere medizinische Voraussetzungen vorliegen.
Fazit

Die Schallleitungsschwerhörigkeit entsteht durch eine Störung der Schallübertragung im Außen- oder Mittelohr. Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem Ohrenschmalzpfropfen, Paukenergüsse, Trommelfellverletzungen, Otosklerose oder Veränderungen der Gehörknöchelchen. Charakteristisch sind eine eingeschränkte Luftleitung bei weitgehend erhaltener Knochenleitung sowie eine sogenannte Luft-Knochen-Lücke im Audiogramm.
Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend, um die Ursache der Hörminderung zu erkennen und die passende Behandlung einzuleiten. Dazu gehören die Erhebung der Krankengeschichte, die Untersuchung des Ohres sowie verschiedene Hörtests.
Viele Formen der Schallleitungsschwerhörigkeit lassen sich erfolgreich medizinisch behandeln. Ist dies nicht möglich oder bleibt eine dauerhafte Hörminderung bestehen, stehen heute verschiedene Hörlösungen zur Verfügung. Moderne Hörgeräte, Knochenleitungssysteme und implantierbare Versorgungen können das Hörvermögen häufig deutlich verbessern und zu mehr Lebensqualität im Alltag beitragen.
FAQ
Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit ist die Weiterleitung des Schalls im Außen- oder Mittelohr gestört. Das Innenohr arbeitet dabei häufig noch weitgehend normal. Betroffene hören Geräusche und Sprache meist leiser, können Sprache bei ausreichender Lautstärke jedoch oft noch gut verstehen. Bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit liegt die Ursache hingegen im Innenohr oder Hörnerv, wodurch das Sprachverstehen häufig stärker beeinträchtigt ist.
Zu den häufigsten Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit gehören Ohrenschmalzpfropfen, Mittelohrentzündungen, Paukenergüsse und Trommelfellverletzungen. Darüber hinaus können auch Otosklerose, Fehlbildungen des Ohres oder Veränderungen der Gehörknöchelchen die Schallweiterleitung beeinträchtigen.
Nein, nicht jede Schallleitungsschwerhörigkeit erfordert eine Hörgeräteversorgung. Viele Ursachen können medizinisch behandelt werden. Bleibt die Hörminderung bestehen oder ist eine Behandlung nicht möglich, können Hörgeräte oder andere Hörsysteme eine sinnvolle Unterstützung sein.
Ja, auch Kinder können eine Schallleitungsschwerhörigkeit entwickeln. Häufige Ursachen sind beispielsweise Paukenergüsse, Mittelohrentzündungen oder angeborene Fehlbildungen des Ohres. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, damit sich Hören und Sprachentwicklung möglichst ungestört entwickeln können.
Eine unbehandelte Schallleitungsschwerhörigkeit kann die Kommunikation im Alltag erschweren. Gespräche werden möglicherweise schlechter verstanden und wichtige Geräusche können leichter überhört werden. Je nach Ursache kann die Hörminderung zudem dauerhaft bestehen bleiben oder sich weiter verschlechtern.
Ein HNO-Arzt sollte aufgesucht werden, wenn eine plötzliche oder anhaltende Hörminderung bemerkt wird. Auch bei Druckgefühl im Ohr, Ohrenschmerzen, wiederkehrenden Entzündungen oder anderen auffälligen Beschwerden ist eine fachärztliche Untersuchung sinnvoll. So kann die Ursache abgeklärt und gegebenenfalls frühzeitig behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
Scrollfortschritt





